Existenzangst gibt es nicht

Viele Ängste fühlen sich lebensbedrohlich an und wir glauben deshalb, es handele sich um Existenzängste. Manchmal kommt auch der Irrglaube auf, Existenzangst hat etwas mit ‚Tod’ zu tun, weil uns das Gefühl so bedroht.

In den meisten Fällen handelt es sich um einen Irrtum des Verstandes und aus diesem Grund ist es schwer diese Angst zu transformieren. Vielleicht ein Beispiel:

Ein selbstständiger Unternehmer, der mal mehr und mal weniger Geld zur Verfügung hat, berichtet, dass er zwar über Barmittel verfüge, aber es nicht ausgeben kann, weil er Angst hat, im kommenden Monat nicht allen finanziellen Verpflichtungen nachkommen zu können.

Und so ist er trotz Geld völlig blockiert und kann nichts tun, was mit Geldausgaben zu tun hat. Er wüsste ja, dass in seiner Branche alles möglich sei und man in kürzester Zeit viel Geld verdienen kann – oder eben auch nicht. Er erzählt weiter, dass er schon so oft mit der Bihlmaier-Methode an dieser Existenzangst gearbeitet hat, aber er bekommt sie einfach nicht wirklich weg. Ja klar, denke ich, wo keine Existenzangst ist, kann man auch keine lösen! Aber, wovor hat der Unternehmer wirklich Angst?

Die Wahrheit ist, er hat Angst, dass er es in den kommenden Wochen, also bis zum nächsten Monat, nicht hinbekommen wird. Das Problem ist also nicht die Existenzangst, sondern fehlendes Selbstvertrauen. Er hat Angst, es nicht hinzubekommen, vielleicht hat er sogar die Gewissheit, weil er schon öfter in solchen Situationen war und er selbst es durch eigene Vorhaben nie hinbekommen hat, sondern immer auf Väterchen Zufall hofft. Er ist also abhängig vom Markt bzw. seinen Kunden, aber er ist nicht wirklich selbstbestimmt.
Vielleicht ist es auch so, dass er erst aus dem Tee kommt, wenn es lichterloh brennt und ihn ein anderes Dilemma blockiert. Aber es ist definitiv keine Existenzangst.

So ist es doch in vielen Bereichen, dass wir uns immer nur mit den Randerscheinungen ‑ also mit den Symptomen ‑ beschäftigen und diese weghaben wollen. Solange aber das eigentliche Problem nicht gelöst ist, bleiben auch die Randerscheinungen bestehen bzw. tauchen immer wieder auf. So verhält es sich zum Beispiel bei Gewichtsproblemen. Auch da stürzen wir uns in Diäten, verschlingen chemische Wundermittel, die ein Vermögen kosten oder machen Sport, um die Pfunde loszuwerden. Wir müssen hinschauen, warum wir wie Scheunendrescher futtern und diese Themen lösen!

Wenn wir das Problem nicht wegbekommen, schalten wir einen Gang höher und suchen Erklärungen und Rechtfertigungen für die Randerscheinungen. Diese praktizierte Selbsttäuschung kostet uns dann Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein in einem unvorstellbaren Ausmaß. Wir sind immer mehr damit beschäftigt, unsere üble Situation zu rechtfertigen und die Symptome zu bekämpfen, als wirklich etwas zu verändern indem wir die wahre Ursache suchen.

Wie heißt es so schön: „Problem erkannt, Problem gebannt!“ Die Kunst liegt also darin, das wirkliche Problem bzw. die tatsächliche Ursache des vermeintlichen Problems zu entdecken und nicht, wie es die meisten Menschen machen, nur auf der Symptomebene Verhaltensweisen zu praktizieren, von denen man sich verspricht, dass das Symptom nicht mehr auftritt.Das passiert in so vielen Lebensbereichen. Zum Beispiel den Eltern mit ihren Kindern, den Übergewichtigen mit dem Essen oder den Selbstständigen mit dem Geld.

Auch bei Schuldgefühlen verhält es sich ähnlich. Schuldgefühle gibt es zwar, aber in den meisten Fällen handelt es sich um eine Randerscheinung von unbewussten Ängsten. Und so ergibt sich, dass unsere großen Probleme nicht die Ängste sind, sondern das uns Verborgene, das wir selbst noch nicht durchschaut haben. Das macht uns klein.

Sich selbst zu erkennen, schafft das größtmögliche Maß an Selbstbewusstsein und das wiederum schafft Selbstvertrauen und Selbstliebe. Damit überwindet man jede andere Form von Einschränkung und von Angst.