Das Schicksal sitzt im Limbischen System

Die folgende Geschichte zeigt, dass unser gesamtes Leben von der Prägung abhängt, also wie sehr wir durch die Prägung unserer Eltern und Bezugspersonen einen Filter haben und wie sehr wir als Bezugspersonen von Kindern durch die eigene Einstellung Schicksale schaffen.

Neben der Persönlichkeit spielt die Prägung sogar eine übergeordnete Rolle. Bei dieser These begegnen mir oft Zweifel. Als Hauptargument werden Geschwister herangezogen, welche doch dieselbe Prägung und Erziehung genossen hätten, aber völlig andere Persönlichkeiten wären.

Während der ‚sensiblen Phase‘ der Prägung geht es nicht um klassische Prägung wie zum Beispiel ‚Lernen aus Erfahrungen‘, ‚Lernen durch Erziehung‘ oder ‚Lernen durch Belohnung und Bestrafung‘. Das Kind ist emotional hoch sensorisch und übernimmt alles, was die Bezugspersonen emotional erleben, vorleben und auf das Kind projizieren, also vom Kind denken. Die Überzeugungen der Bezugspersonen werden tief verankerte Überzeugungen des Selbstbildes. Das in der sensiblen Phase Geprägte wird so stark angenommen, dass es tief im Wesen verwurzelt wird. Es wird zum »Instinkt des Betroffenen«, sagt die Psychologie.

Zur Geschichte: Ein promovierter Akademiker, Mitte siebzig, kommt zum Coaching, um seine ‚Urangst‘, wie er sie nannte, auflösen zu wollen. Bei seiner Lebensgeschichte erzählte er von einer Investition, die sich als der Fehler seines Lebens entpuppte. Sein Vermögen und sein Erbe waren weg und nicht nur das, er sollte danach gar nicht mehr auf die Beine kommen. Gescheitert in allen Bereichen findet er eine Frau, die mit ihm über Jahre hinweg den monetären Überlebenskampf kämpft und ihm Kraft und Beistand gibt. Das Leben war sehr beschwerlich.

So war auch das Honorar für das Coaching ‑ für ihn ein fast unerschwinglicher Betrag ‑, aber gleichzeitig eine Hoffnung und deshalb war er es sich wert, in sich zu investieren statt zu resignieren.

Wie Sie wissen bin ich der Überzeugung, dass wir Menschen mit unserer inneren Einstellung die Erfahrungen im Außen erschaffen. Außen wie innen und innen wie außen. Es kann Dir nur begegnen, was Dir selbst im Innen, wie auch immer, entspricht. So ist der Ansatz meiner Arbeit, im Innen zu finden, was im Außen zu destruktiven bzw. unerwünschten Erfahrungen führt und es im Innen so ins Positive zu verändern, damit im Außen zukünftig erfolgen kann, was wir auch wirklich wollen. Mit anderen Worten: Alle negativen und destruktiven Aspekte und Motivationen eliminieren bzw. ins Positive wandeln.

Während der Herr seine Geschichte erzählte, hatte ich alle Antennen ausgefahren, um die erwähnte ’Urangst‘  bzw. das im Negativen Wirkende zu finden. Denn Ängste schaffen grundsätzlich (mit Ausnahmen) destruktive Erfahrungen. Allerdings: Es tauchte keine Angst auf!  Soviel ich suchte und hinterfragte und er erzählte – keine Angst.

Stattdessen konnte ich zwei sehr tiefsitzende Persönlichkeitsmerkmale beobachten (manche würden es Glaubenssätze nennen),  bei denen ich das Gefühl hatte, die könnten die Ursache für das Lebensdrama sein.

Zum einen die innere Überzeugung seines Vaters, ‚Er bekommt das nicht hin, er scheitert immer‘ und zum anderen die daraus entstandene Konsequenz der Mutter ‘Ich muss meinem Sohn für immer und ewig helfen und ihn versorgen‘, führte bei ihm zu einem sogenannten ‚sekundären Gewinn‘. Die emotionale Prägung war: ‚Ich scheitere – dann kommt jemand und hilft und versorgt mich.‘  So war die unbewusste Vorstellung der Eltern. Der Gewinn war es, die Vorstellung der Eltern zu leben. Ganz sicher lebten die Eltern das nicht bewusst. Der Vater kommunizierte auch, dass er an seinen Sohn glaubte. Aber Gesagtes ist nicht Gefühltes. Wir kennen das alle, denn wir spüren, ob das Gesagte der Wahrheit entspricht.

Genauso verlief sein Leben: Scheitern und in Passivität auf die Versorgung und das Kümmern warten.

Die Schwierigkeit war, das ‚Versorgungsmuster‘ zu erhaschen. Denn entgegen der gewöhnlichen destruktiven Muster fühlte sich das ja nicht negativ an, vielmehr eher positiv, ein Gefühl von ‚Gut‘, welches passiv machte. Als wir diesen Kokon aufbrechen konnten liefen seine Tränen in einem Gefühl der Befreiung und Glückseligkeit.

Danach zeigte sich hinter der bislang zurückhaltenden und vornehmen Art des Mannes eine ganz andere, eine völlig freie, bewegliche, freche und authentische Persönlichkeit.

Die Urangst war die Angst nicht dem zu entsprechen, was der Vater in ihm sah, bzw. auf ihn projizierte. Das in der ‚sensiblen Phase‘ Geprägte ist ‚Bestimmung‘, die man leben muss, bis man sich von dem Indoktrinierten befreit hat. Die Befreiung geschieht auf emotionaler Ebene.

Am nächsten Tag erhielt ich eine E-Mail von seiner Frau: „…..Ich habe einen neuen Mann und gleichzeitig ist bei mir was passiert, was ich absolut gar nicht erwartet hatte, als wäre eine Last von mir gefallen, als wäre was, wie soll ich es beschreiben, in der Mitte von mir, ein Stein weg, ein Brocken weg. Den ich aber vorher nicht bewusst bemerkt hatte. ….“

Wir sind alle miteinander verbunden und verwoben, wenngleich uns das im Alltag wenig bewusst ist. Aber die Veränderung einer Person wird zum Schmetterlingsschlag seines Umfeldes.

Jeder kann auch so im Verborgenen sitzende Prägungen  entdecken und lösen. Dazu bedarf es zweier wesentlicher Faktoren:

  • Unterstellen Sie nicht von vornherein, was es ist. Durch solche Vorurteile sind wir befangen und tappen im Dunkeln. Häufig erlebe ich das mit sogenannten ‚Existenzängsten‘. Viele Ängste fühlen sich existentiell bedrohlich an, aber deshalb muss es sich nicht zwangsläufig um Existenzängste handeln.
  • Nehmen Sie sich Zeit, um hinzusehen. Nur wenige Menschen schaffen es, sich Zeit für sich und die Arbeit an sich selbst zu nehmen. Im Modus des Funktionierens ist alles andere von höherer Gewichtung und bei der Arbeit an sich selbst driftet der Verstand ab und nutzt jede Gelegenheit der Ablenkung. Meditation ist da sehr hilfreich und natürlich die Arbeit mit einem Trainer oder eine explizite Auszeit.

Auch er hat eine E-Mail geschrieben: “Ich bin dankbar, dass Sie mit Ihrem intensiven und so einfühlsamen Coaching  mich von meiner „Urangst“ befreit haben. Ich fühle mich wie neu geboren, spüre, wie Geist und Körper davon jetzt frei und unbelastet sind. Auch von meiner Frau ist eine Belastung abgefallen.  … Ich habe bisher wohl noch nie ein derartiges Lebensgefühl gehabt. Es ist mein zweiter Geburtstag. Ich habe das Gefühl,  endlich allein über mich bestimmen zu können  und zwar so, wie ich mich wirklich wohlfühle.“